Werkverzeichnis Georg Kolbe
(Stand: 13.10.2026)
Vermutlich aus persönlicher Verbundenheit zum Menschen und für ihn wichtigen Galeristen ist Paul Cassirers Maske die einzige im Georg Kolbe Museum erhaltene Totenmaske, die Kolbe abgenommen hat. Beim Umzug in sein neu gebautes Atelier 1929 hat er seine Maskensammlung nicht mitgenommen, sondern entweder weitergegeben oder womöglich bei dieser Gelegenheit wie viele seiner frühen Gipsmodelle zerstört. Die Maske Cassirers, der am 7. Januar 1926 während der Scheidungsauseinandersetzungen mit seiner Frau Tilla Durieux den Freitod gewählt hatte, erfuhr hingegen eine besondere Behandlung. Sie wurde in seinem Atelier vom Fotografen Otto Hartmann vor schwarzem Stoffhintergrund inszeniert und anders als die anderen Masken fotografisch festgehalten. Noch im Januar wurden zwei Bronzegüsse von der Bildgießerei Noack, Berlin hergestellt, einen davon erhielt Tilla Durieux. Zu diesem Zweck modellierte Kolbe mit Gips, von der Maske abgesetzt, eine Standfläche an den Halsausschnitt, sodass sie nun auf einem Steinsockel montiert werden konnte. Für die Wandaufhängung besaß sie eine stabile Metallöse, die sie neben einem Schellacküberzug, der wegen des Bronzegusses und der optischen Vereinheitlichung aufgebracht wurde, noch heute aufweist. Die Maske Tilla Durieuxs wurde 1982 versteigert, der Verbleib beider Exemplare ist unbekannt. Ein Gipsabguss ist hingegen in der Ernst Barlach Stiftung in Güstrow leicht beschädigt erhalten. Diesen gab Kolbe an Barlach weiter, was ein Dankesschreiben Barlachs belegt (GK.13). Von einer Firma Richard L. F. Schulz, Berlin, unweit der Kunsthandlung Cassirer gelegen, holte Kolbe ein Angebot für eine Kassette ein, in der die Maske auf „einem herausnehmbaren Sammetpolster“ fest montiert liegen sollte (GK.498).
Nur wenige Monate vor Paul Cassirers Freitod hatte Kolbe ihn porträtiert (W 25.038).
Nur wenige Monate vor Paul Cassirers Freitod hatte Kolbe ihn porträtiert (W 25.038).