Inhaltsangabe
Transkription
Güstrow i. M. [in Mecklenburg]
Heidberg
12. 6. 33
Lieber Herr Kolbe,
die Führung nationalsozialistischer
Studenten fordert zu einem
Zusammenschluß von Künstlern
unter meiner Präsidentschaft
auf. Sie wissen gewiß davon,
so brauche ich nicht ausführlicher
zu sein. Sagen Sie mir bitte,
wer ist der unterzeichnende
Otto-Andreas Schreiber(1). Sind Sie
tatsächlich Mitglied der Gruppe,
unter der aufgezählt sind außer
mir*: Domscheit(2), Gulbranson(3) [Gulbransson],
Heckel(4), Kokoschka(5), Sie, Kubin(6),
Nolde(7), Rohlfs(8), Scheibe(9), Schmidt-
Rottluff(10) u. andere, im Ganzen
25? Eine verantwortlich wir-
kende Präsidentschaft ist an sich
von hier aus (1 Stunde außerhalb
Güstrows)
*der ich bisher keineswegs dazu rechne!
Seite 2
ansich unmöglich {durchzuführen} – wem gegenüber
besteht überhaupt Verantwortung,
da keinerlei Versammlungen, Bei-
träge {etc.} in Frage kommen – nur aus-
gestellt werden soll unter Leitung
eines Vorstandes: Degner(11), Gerstel(12),
Mareks, Rohlfs und O. A. Schreiber?
Kurz und gut, ich kenne mich
trotz allerdieser Einzelheiten nicht aus,
m.E. [meines Erachtens] würde dieser „Ring deutscher
Künstler“ die Würde genießen müssen,
sich zu konstituieren, seine Mitglieder
selbst zu wählen etc. etc....
Ich wäre Ihnen sehr dankbar,
wenn Sie mir einmal Ihre persönliche
Einstellung aufzeigen möchten —
unwillkürlich denke ich an mein
früheres Amt in der Secession, wo ich
alles mitverantworten mußte, was,
da ich nicht immer dabei sein konnte,
in Berlin geschah – oder, eilig gerufen,
notdürftig unterrichtet, d. h. einseitig
informiert, ins Unklare hinein Ja u.
Amen sagte.
Als unverantwortlicher „Präsident“
ist man aber nichts als ein Popanz, der
die Beschlüsse des „Vorstands“ so oder so
mit seinem Namen deckt.
Hoffentlich gehts Ihnen leidlich,
mehr kann man ja kaum erwarten,
wenn ich Ihnen auch weit Besseres wünschen
möchte.
Mit besten Grüßen Ihr E Barlach